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Ferienreise 2007

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Auf der Russland-Reise
   konnten die Teilnehmenden
   immer wieder
   aussergewöhnliche Turm-
   konstruktionen
   bewundern.

 

Reisebericht von Vreni Spalinger

War es eine lange Zeit? War es eine kurze Zeit? "Wir wissen es nicht" – so etwa würde es in einem russischen Märchen heissen.

Am Fenster des Schlafwagens Moskau – Prag sitzend, sehe ich vor meinem inneren Auge einen Film, Bilder unserer 14-tägigen Reise durch ein weites Land. Bilder von unzähligen Kirchen mit den typischen Kuppeltürmen. Besonders auffällig und schön die goldenen, aber auch solche aus Dachblech oder Holz kunstvoll gefertigt. Und ganz besonders märchenhaft die blau bemalten mit den goldenen Sternen – immer 365 – wie es Tage gibt im Jahr. “Bei uns hat alles eine Bedeutung“ sagte Natascha, unsere Führerin in Moskau. Sie nannte uns ein Beispiel: “Wenn wir uns bekreuzigen, halten wir drei Finger der rechten Hand zusammen, das bedeutet die Dreifaltigkeit; zwei Finger legen wir an der Hand an, das bedeutet Jesus in seiner irdischen und in seiner göttlichen Gestalt.“

Stehvermögen gefordert

Ein Höhepunkt unserer Reise war der Besuch der berühmten Klosteranlage Sergijev Posad. Prächtige, reich verzierte Bauten, eine mit kunstvoll bemalten Ikonen geschmückte Kathedrale, blühende Gartenanlagen, ein Brunnen mit heiligem Wasser, vor dem die Leute anstehen, um es in Flaschen abzufüllen. Ein junger Priestermönch - unser Pfarrer Peter Arnold hat die Beziehung zu ihm während seines kürzlichen Bildungsaufenthaltes geknüpft - hat für uns das Mittagessen organisiert und danach Fragen unserer Gruppe beantwortet. Der anschliessende Besuch des zweistündigen Vespergottesdienstes gab uns Einblick in die liturgischen Handlungen der orthodoxen Kirche, verlangte von uns aber auch einiges an Stehvermögen – in russischen Kirchen gibt es keine Bänke. Die tiefe, aber auch unterwürfige Gläubigkeit der orthodoxen Christen hat in uns verschiedene Gedanken und Gefühle ausgelöst. Wir Frauen lernten rasch, Kopftuch und Jupe bereit zu halten. In der orthodoxen Kirche gelten Frauen ohne Kopfbedeckung und in Hosen als anstössig.

Da Klosteranlagen immer an den schönsten Punkten erbaut wurden, kamen auch wir bei deren Besichtigung immer wieder zu herrlichen Ausblicken über Land und Wasser. Ein speziell für uns organisierter Folkloreabend hat uns alle begeistert. Die ausgelassenen, fröhlichen bis übermütigen Tänze stehen in einem grossen Kontrast zum russischen Leben, das uns auf den Strassen begegnet. Die Gesichter der Menschen sind oft traurig, ernst und vergrämt. Es ist wenig Lebensfreude zu spüren. Wie wir von unseren Führerinnen erfahren, ist das Leben hier für viele Menschen hart und ein täglicher Kampf.

Wie im Bilderbuch

Die Schifffahrt Moskau – St. Petersburg (ca. 2000 km) durch Kanäle, Flüsse und die zwei grössten Seen Europas war für uns Erholung und Genuss. Auf dem Sonnendeck oder in einer windgeschützten Ecke ein Buch lesen, an der Reling stehend die vorüberziehende Landschaft betrachten und kommentieren, in die schäumenden Bugwellen schauen und seinen Gedanken nachhängen, auf dem Vorderdeck nach der nächsten Schleuse Ausschau halten oder sich in die Kabine für eine ausgiebige Siesta zurückziehen – jeder fand seinen eigenen Weg, diese Tage zu geniessen. Die Bilderbuchsonnenuntergänge, die wir zusammen vom Oberdeck aus bestaunten (der Wodka fehlte dabei nicht), sind uns ein bleibendes Gemeinschaftserlebnis.

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Kunstvolle Fresken,
  die in dieser Art
  in Westeuropa
  nirgens zu sehen
  sind, laden zum
  Staunen ein.

 

Am 1. August liessen wir es uns nicht nehmen, den Schweizerpsalm vierstimmig in den Fahrtwind zu singen. Auch bei anderen Gelegenheiten haben wir die mit unserer Kirchenchorleiterin eingeübten Lieder vorgetragen oder einfach zu unserer Freude gesungen. Immer wieder waren Besprechungen zusammen mit der Reiseleitung nötig, um alles optimal organisieren zu können. Persönliche Wünsche wurden nach Möglichkeit einbezogen. Brigit und Peter Arnold waren stets um eine umfassende Information aller Teilnehmer besorgt. Bei „zügigen“ Rundgängen übernahm Brigit die etwas undankbare Aufgabe, dafür zu sorgen, dass niemand verloren ging. Beiden gebührt ein ganz herzlicher Dank für ihren grossen Einsatz. An dieser Stelle sei auch ein grosser Dank an Hansueli Vollenweider für die perfekte Organisation und die souveräne Leitung der Bahnreise gerichtet. Es war ein grossartiges Erlebnis, diese riesige Distanz zu „erfahren“.¶

In der Mitte die Königspforte¶

Aber wir sind ja immer noch auf dem Schiff. Täglich legte es einmal an und wir gingen an Land, wo wir von einer Führerin oder einem Führer erwartet wurden. Von ihnen erfuhren wir einiges über Land und Leute. Immer wieder besuchten wir Klosteranlagen und deren Kirchen.¶

Orthodoxe Kirchen bestehen immer aus drei Teilen: einem Vor-, einem Kirchen- und einem Altarraum. Letzterer befindet sich hinter der Ikonenwand, der so genannten Ikonostase, welche immer nach Osten hin ausgerichtet ist. Sie hat stets drei Türen. Die grösste in der Mitte ist die Königspforte, durch welche im Laufe des Gottesdienstes der Bischof mit den Priestern tritt: für die russischen Gläubigen ein besonders ergreifender Augenblick. Der heilige Raum hinter der Ikonostase darf nur von geweihten Kirchenhäuptern betreten werden, niemals von einer Frau. An der Westwand sind Bilder vom jüngsten Gericht angebracht. Sie sollen die Gläubigen beim Verlassen der Kirche an ihre Sünden gemahnen.¶

Sprechende und singende Glocken¶


Besonders faszinierte uns das Spiel der Glocken. In Russland werden Kirchenglocken nicht geläutet, sondern „gespielt“; sie haben keinen Klöppel, sondern eine „Zunge“; sie läuten nicht, sie „sprechen oder singen“. Auch dies hat uns Natascha eindrücklich erklärt. An einem auf dem Boden aufgebauten Geläute hat uns ein professioneller Glöckner auf sehr gekonnte Art vorgeführt, wie die Glocken zum Sprechen bzw. zum Singen gebracht werden. Die Zungen werden mittels Schnüren bewegt. Er braucht dazu beide Hände und einen Fuss. So entlockt er den Glocken einen rhythmisch-melodiösen Klang.¶

Einige Male kamen wir in den Genuss russischer Kirchenlieder, jeweils vorgetragen von vier bis acht Sängern, einmal auch von zwei Sängerinnen. Unterstützt von der optimalen Akustik der Kirchenräume kamen die gewaltigen Stimmen hervorragend zur Geltung. Es war für uns alle ein überwältigendes Erlebnis.¶

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Auf den Dächern
  gewisser Klöster
  fanden die
  Russland-Reisenden
  aus Marthalen
  ganze Landschaften
  von Türmchen vor.

 

Die Kirchen werden hier mit Namen wie Mariae-Entschlafenskirche, Christi-Erlöserkirche, Blutskirche oder Christi-Hauptniederlegungskirche benannt, um nur einige dieser immer wiederkehrenden Namen zu nennen. Es gibt Sommerkirchen und Winterkirchen. Die letzteren sind kleiner und beheizbar, was bei den sehr kalten und langen russischen Wintern sicher von Vorteil ist.¶

Metrofahrt als Intelligenztest¶

Wenn noch etwas freie Zeit an Land blieb, wurde sie von den meisten zum „ Lädele“ genutzt. Wo Touristen auftauchen, fehlen Souvenirstände nie. Es gibt so viel zu kaufen, dass oft die Wahl schwer fiel. Zurück auf dem Schiff wurde die „Beute“ gegenseitig bestaunt und begutachtet.¶

Der kurze Aufenthalt in St.Petersburg wurde vielseitig genutzt: Besuch des Katharinenpalastes mit dem berühmten Bernsteinzimmer, Besteigung der Kuppel der Isaakskathedrale, Besichtigung der ‚Peter und Paul Kirche’, eine Kanalfahrt, ein Konzertbesuch; auch ein kurzer Intelligenztest mit Metro und Bus war für die einen noch zu bestehen. Pünktlich trafen aber alle, zur grossen Erleichterung von Swetlana, unserer gewissenhaften Reiseleiterin, am Bahnhof ein. Der Asu-Express brachte uns über Nacht zurück nach Moskau, wo noch Zeit blieb für eine Stadtrundfahrt, eine Führung durch den Kreml, einen Ballet- oder Konzertabend, einen nächtlichen Spaziergang über den Roten Platz, den Besuch der Tretjakov Galerie oder des Puschkinmuseums.¶

Der letzte Nachmittag konnte auch individuell gestaltet werden, was einige gerne benutzten. Herzlich nahmen die Fahrenden (10 Personen reisten mit der Bahn) und die Fliegenden (21 Personen) voneinander Abschied. Das Lied "Mnogaja ljeta" klang uns beim Wegfahren in den Ohren und hätte uns beinahe eine Träne entlockt.¶

Immer noch zieht die russische Landschaft an meinem Schlafwagenfenster vorbei. Ich beginne zu frösteln und krieche ins warme Bett. Das Rütteln des Zuges wiegt mich in den Schlaf. War es eine lange Zeit? War es eine kurze Zeit? - Wir wissen es nicht. Es war wie ein russisches Märchen.¶

 
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