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Ferienreise 2011

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Fein ornamentierter Kreuzstein

Faszinierendes Armenien
Gemeindereise vom 18. Juli bis am 1. August 2011
Reisebericht von Vreni Spalinger-Keller

„ Acht Uhr Frühstück, neun Uhr abfahren!“ so tönte es die letzten zwei Wochen für die 32 Armenienreisenden fast jeden Tag. Nara, die einheimische, gut deutsch sprechende Reiseleiterin, hatte unseren Zeitplan immer gut im Griff. Sie bot uns zusammen mit ihrem jungen Kollegen Artac als Chauffeur eine abwechslungsreiche und interessante Reise durch ihre Heimat.
Im klimatisierten Car erreichten wir bequem unsere verschiedenen Ziele. Armenien ist reich an alten Klöstern und Kathedralen. Diese waren wichtige Punkte in unserem Programm. Nara machte uns jeweils auf die Besonderheiten einer Anlage aufmerksam. „Dies ist eine ummantelte Kreuzkuppel-Kirche“ bekamen wir immer wieder zu hören. Wir sahen aber auch nicht ummantelte Kirchen, bei denen die Kreuzform von aussen gut zu erkennen war. Im Innern der Kirche zeigte sie uns die Besonderheiten der Konstruktion, machte auf den Lichteinfall in der Ostapsis oder in der Trommel, wie die Kuppeln in Armenien genannt werden, aufmerksam. Zu den reichen Verzierungen an den Aussenseiten mancher Kirchen sagte sie uns immer wieder: „Die Nichtwiederholung ist eine goldene Regel in der mittelalterlichen Baukunst Armeniens“, was bedeutet, dass zum Beispiel über jeder Lichtöffnung ein anderes Muster zu sehen ist. Unzählige prächtig verzierte Kreuzsteine, die zum Schutze der Kirchen aufgestellt wurden, gab es in allen Anlagen zu bewundern.
 
Fein ornamentierter Kreuzstein

Beeindruckend und schön war auch der Besuch des in Armenien einzigen hellenistischen Sonnentempels. Wir genossen dort das eigens für uns aufgeführte Chorkonzert. In einigen Kirchen liessen auch wir unsere, mit der Kirchenchordirigentin eingeübten Lieder, erklingen. Was für Sänger und Zuhörer immer wieder ein schönes Erlebnis war. Während unserer Fahrt erfuhren wir von Nara viel über die wechselvolle und tragische Geschichte Armeniens und über das heutige Leben der Menschen dort.
Unter die Haut ging uns allen der Besuch der Gedenkstätte und des Museums zum Völkermord von 1915, dem 1,5 Millionen Armenier zum Opfer fie-len. Unglaublich, zu was machthungrige Menschen fähig sind. Der anschliessende Besuch der Markthalle brachte uns wieder auf positivere Gedanken und in Kaufstimmung. Schön präsentierte Spezialitäten wurden uns zum Degustieren angeboten, zum Beispiel aufgefädelte Baumnusskerne mit einer karamellähnlichen Masse überzogen oder ganz dünne Fruchtfladen, wohl ein Verwandter unseres Quittenpästlis.
 
Bunte Märkte gab es an verschiedenen Orten

In den nördlichen Provinzen führte unsere Reise durch weite, wo bewässert wird, fruchtbare Ebe-nen, vorbei am höchsten Berg Armeniens, dem Aragat (4095 m). Den Berg Ararat (5137m) verlor Armenien an die Türkei.

Viel für uns Unvorstellbares bekamen wir in ver-schiedenen Landesgegenden zu sehen und zu hören. Von Erdbeben, Überschwemmungen und Bombardierungen zerstörte Häuser, zerfallene Industrie- und Kolchosebauten aus der Sowjetzeit, Grenzschliessungen, Umsiedlungen, bewaffnete Auseinandersetzungen, Massaker, Wirtschaftsblockaden. Unzählige Rückschläge hatte dieses gebeutelte Volk immer wieder zu ertragen. Trotzdem wirken die Leute auf uns zufrieden, offen und fröhlich.

Am auf 1900 m.ü.M gelegenen Sewansee, dem grössten Süsswassersee des Kaukasus (doppelte Fläche des Bodensees), war ein für uns alle willkommener Ruhetag eingeplant. Die Schifffahrt zur Möveninsel empfanden wir als angenehme Abwechslung. Die Einheimischen nennen den See „die blaue Perle Armeniens“. Uns Touristen mutete es sehr unpassend an, dass der See von jungen Wassertöff-Fahrern auf unflätige und rücksichtlose Weise befahren wurde. Für uns Schwimmer war das rohe Treiben auf dem Wasser bedrohlich. Als uns Nara auf der Weiterfahrt sagte, wer im Sewansee bade, werde 20 Jahre jünger, waren wir dann doch froh, in die Fluten gestiegen zu sein.

Auf der sehr schlechten Strasse um den See, schätzten wir die sorgfältige und sichere Fahrweise „unseres lieben Artac“ ganz besonders. Der Besuch des schönsten Friedhofs in Armenien mit sehr alten Kreuzsteinen und die anschliessende Fahrt durch die Berge mit dem Besuch der Selim Karavanserei, sind für uns unvergessliche Erlebnisse.

Das Essen war auf der ganzen Reise immer sehr gut und speziell, aber für mitteleuropäische Verdauungsorgane doch nicht immer so einfach zu bewältigen. Manche litten zeitweise oder über längere Zeit unter diesbezüglichen Problemen.
Industriebetriebe sahen wir nur wenige. Im Debedtal rauchte eine von deutschen Unternehmern teilweise wieder in Betrieb genommene Kupferfabrik aus der Sowjetzeit. Am Sewansee gebe es drei Teppichfabriken und unterwegs sahen wir Zementfabriken und einige Steinbrüche, in denen der verschiedenfarbige Tuffstein abgebaut wird.

Bei der Besichtigung der Cognacfabrik in Jerevan sahen wir Unmengen sauber gelagerter und beschrifteter Eichenfässer in grossen Hallen. An der anschliessenden Degustation lernten wir, dass Schokolade und Cognac zusammen sehr gut schmecken. Einige fanden die Schokolade so gut, dass sie vor der Abreise noch einen Grosseinkauf im Schokoladeladen tätigten.

Landwirtschaftliche Kulturen sahen wir auf unserer Reise immer wieder. Sie sind aber, auch in fruchtbaren Gegenden, nie so üppig wie bei uns. Es werden Getreide (bis fast 2000 m Höhe), Kartoffeln, Mais und viel Gemüse angebaut.

In Berg Karabach, welches wir über besetztes Gebiet erreichten, genossen wir die schöne Berglandschaft, aber auch die lebensfrohe Atmosphäre in der Hauptstadt Stepanakert. Viel Volk flanierte am Abend vergnügt auf Strassen und Plätzen. Hochbetrieb herrschte um den Brunnen mit der Wasser-Licht-Orgel.

Das kleine Dorf, in dem wir auf dem Weg zum Klos-ter Gandzasar Halt machten, wird im grossen Rah-men von einem in Russland lebenden Armenier unterstützt. Strasse, Schule und Spital sind unter anderem von ihm gespendet worden und sehen neu und schön aus.
Viel Geld fliesst aus dem Ausland nach Armenien. Auslandarmenier unterstützen ihre im Land gebliebenen Verwandten. Der Betrag der auf diese Art zufliessender Gelder sei dreimal so hoch wie das Staatsbudget.
 
Skulptur vor dem Schulhaus in Vank

Abwanderung und Landflucht sind, vor allem in den Grenzdörfern zu Aserbeidschan, grosse Probleme. Dagegen trifft die Regierung Massnahmen wie verbesserte Infrastruktur, kostenlose Häuser oder zinsfreie Kredite.

Der Besuch des HEKS-Projektes wurde von Nara, der grossen Hitze wegen (43°), drastisch gekürzt. Mitbekommen haben wir aber doch, dass das Hilfswerk durch Jugendlager die Verständigung zwischen den Völkern fördern und die Landwirte in Obst- und Ackerbau unterstützen und beraten will.

Am Sonntag unserem letzten Ferientag besuchten wir den Gottesdienst in Etschmiadsin, der weltweit verehrten Pilgerstätte der Armenier. Der Katholikos, das Oberhaupt der armenischen Kirche segnete auf dem Weg zum Gottesdienst die Gläubigen am Wege. Für viele sicher ein grosser Moment.

Zurück in Jerevan gabs noch ein feines Nachtessen mit Musik und spendiertem Cognac. Mit treffenden Dankesworten werden Nara und Artac von Peter Arnold unserem Pfarrer verabschiedet. Ein lang anhaltender Applaus und ein wohlverdientes Trinkgeld drücken den grossen Dank der Reisegesellschaft aus.

Rosmarie Vollenweider bedankt sich im Namen aller bei Peter Arnold für die schöne Reise.
Zurück im Hotel werden zum letzten Mal die Koffer gepackt. Für die, welche beim Souvenierkauf nicht widerstehen konnten, eine grosse Herausforderung.

In sechs Stunden, inklusiv Umsteigen in Wien fliegen wir zurück in die Schweiz, wo wir am Vormittag des 1. August wohlbehalten landen.
Das „Bariluis, guten Morgen liebe Gäste“ von Nara klingt uns noch in den Ohren und wir werden es so schnell nicht vergessen.

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Bunte Märkte gab es an verschiedenen Orten

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Skulptur vor dem Schulhaus in Vank

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Basaltsäulen in der Schlucht von Garni

 
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