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Gemeindereise ins Bergell 2016

Gemeindereise ins Bergell 2016
(Bericht: Brigitt Nägeli / Fotos: Inge & Hanspeter Maag)

Erwartungsfroh traten am Donnerstag zwei Dutzend MarthalerInnen und ein Ehepaar aus Rheinau die 6stündige Reise per Zug und Postauto ins Bergell an.
Minutiös hatte Hanspeter Maag die 4 Tage vorbereitet, und das war nicht leicht. Die Wanderungen musste er für starke und weniger starke Beine planen, und kein Hotel im Tal konnte die Marthaler Schar gesamthaft aufnehmen. So waren wir in Vicosoprano in 2 Hotels untergebracht, eine dritte Gruppe logierte eine Postautostation talaufwärts. Das Nachtessen nahmen wir jeweils alle zusammen in einem der 3 Hotels ein, jedes Mal eine festliche Angelegenheit.
Schon am ersten Nachmittag machte uns eine einheimische Führerin mit Vicosoprano und dem Tal vertraut. Auf dem Rundgang führte sie uns von der Dorfstrasse mit stattlichen 4stöckigen Häusern in die hintern Gassen mit Ställen und Speichern, in die Kirche, zum gedeckten Waschbrunnen und zur gewölbten Brücke über die Maira. Im alten Ratshaus berichtete sie sichtlich bewegt von den grausamen Hexenprozessen. Hier fanden im 17. Jh. etwa 40 Verfahren statt, 20 Frauen wurden hingerichtet. Das Folterverlies ist noch unverändert zu besichtigen.
Auf dem Rundgang haben wir Bemerkenswertes erfahren:

• Im ganzen Bergell leben weniger Menschen als in Marthalen, nämlich 1500. Die ehemals 5 Gemeinden bilden seit 6 Jahren eine Einheitsgemeinde.

• Drei Monate lang geht die Sonne in den Taldörfern nie auf, ausser in Soglio.

• Im Bergell wird ausser Italienisch (und Deutsch) ein Dialekt gesprochen: Bregagliot, verwandt mit Lombardisch und Rätoromanisch.

• Vor dem Bau der Umfahrungsstrasse quälten sich im Sommer täglich mehrere Tausend Motorfahrzeuge durch die engen Dörfer. Jetzt unterhalten wir uns mit unserer Führerin ungestört auf der Dorfstrasse.

Am Abend berichteten uns in der prächtigen Gaststube vom Hotel Corona die Pfarrerin und die Kirchgemeindepräsidentin von der Kirche im Bergell. Reformiert und zugleich italienisch-sprechend ist das Tal, weil die Reformatoren von Italien herkommende Glaubensflüchtlinge waren. 2011 haben sich auch die Kirchgemeinden zusammengeschlossen, und ein Pfarrer und eine Pfarrerin betreuen das ganze Tal. Beide halten jeden Sonntag zwei- oder dreimal Gottesdienst abwechselnd in 7 Dörfern. Noch sei bei den Eingesessenen der Besuch einer Nachbarkirche nicht sehr beliebt. Wichtig für den Zusammenhalt im Tal sind Aktivitäten, die die Kirche durchs Jahr anbietet. Ein Problem: der Mangel an heizbaren Kirchen und Gemeinschaftsräumen. Die beiden engagierten Frauen haben uns beeindruckt.
Auch die 500 Katholiken, viele davon ehemalige Arbeiter bei Kraftwerkbauten, werden von einem Pfarrer betreut, der in den Kirchen von Vicosoprano und Bondo Gottesdienste hält.

Diesem ersten Tag folgten 3 ebenso reichhaltige, in denen wir Bondo, Soglio, Castasegna und Stampa kennenlernten. An jedem Tag hatte auch eine schöne Wanderung Platz.
Die Highlights der Ferien:

• Die kürzlich renovierte Kirche von Bondo mit wunderbaren Fresken: Christus in der Mandorla und ein Abendmahl. Dazu Ausführungen von Patrizia Guggenheim, die bei der neuesten Renovation beteiligt war. Sie führte uns auch zum Grab ihres Vaters, dem Künstler Varlin, und nahm uns in ihr Wohnhaus mit, wo ein Raum den Bildern ihres Vaters gehört.

• Soglio auf der Sonnenterrasse, die engen Gassen, die stolzen Pallazzi, der Blick auf die überwältigende Bergkulisse.

• Das Talmuseum Ciäsa Granda mit einer Ausstellung zum 50. Todesjahr von Alberto Giacometti. Einblick in seine Entwicklung als Künstler erhielten wir nicht nur vor den Bildern, sondern auch im nahen Atelier seines Vaters Giovanni, wo Alberto seit Kindertagen malte und zeichnete.

• Im bombastischen Palazzo Castelmur genossen wir eine weitere Lektion in Geschichte: die Auswanderer, die Zuckerbäcker, Cafétiers, Brauer, Wirte und Confiseure wurden, kamen zuerst in Venedig, später in ganz Europa zu Reichtum. Als Rückkehrer waren sie es, die in den Dörfern stattliche Häuser bauten. Wohl der Erfolgreichste von ihnen eben den Palazzo Castelmur.

Am Sonntag besuchten wir im Rahmen des Kastanienfestivals den ökumenischen Gottesdienst, und zwar im grössten Raum des Tales, der Mehrzweckhalle Bondo. So erlebten wir Frau Pfarrer Simona Rauch und ihren katholischen Kollegen live. Bestaunt haben wir den Männerchor Bregaglia mit seinen vielen jungen Sängern. Die heissen Marroni kamen leider aus Italien, da die einheimischen noch nicht genug reif waren. Am reichhaltigen Buffet stärkten wir uns für die Heimreise und kauften gern von den sehr speziellen Produkten, die der Bergeller Frauenverein anbot: Dörrkastanien, Kastanientorten, Kastanienmehl, Konfitüren.
Nach der Fahrt mit dem Palmexpress über Chiavenna und dem Comer See entlang brauchten wir in Lugano erstmals die Schirme. Dies, ein verpasster Anschluss und übervolle Züge konnten unsere Zufriedenheit mit den in allen Teilen gelungenen Ferien nicht mindern.

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